WWC_Folge1_Social Media Exodus
Nathalie: Instagram gelöscht, TikTok nur noch eine Stunde am Tag, das Handy ausgeschaltet. Immer mehr Menschen ziehen sich aus Social Media zurück. Aber warum eigentlich? Ist es Protest, Übersättigung oder vielleicht sogar Selbstschutz?
Nathalie: Ja, willkommen bei World Wide Check, dem Podcast über Internetkultur, Social Media und Digitalisierung. Wir sind Nathalie und Aaron. Und in unserer Pilotfolge sprechen wir über den Social Media Exodus, also das kollektive Verlassen von Online-Plattformen wie zum Beispiel Instagram, TikTok, X und Facebook und was es nicht alles gibt. Und, wir fragen uns, gibt es ihn überhaupt? Wie funktioniert er? Was ist er? Und warum verlassen vielleicht sogar Menschen die sozialen Medien? Was bedeutet jetzt eigentlich konkret, Social Media Exodus? Magst du das mal erklären?
Aaron: Naja, du hast das ja schon angerissen, angeschnitten. Wir bezeichnen damit das massenhafte Verlassen von sozialen Plattformen, sei es jetzt einfach nur das nicht mehr so häufige Benutzen oder klar auch die Accounts löschen. das nimmt verschiedene Formen an, aber sollte sich halt vor allen Dingen in der Nutzungsdauer und Nutzungszahlen niederschlagen und ob das aktuell so häufig auftritt, dass es schon signifikant ist.
Nathalie: Okay, also Leute verzichten praktisch komplett auf ihr Handy?
Aaron: Naja, nicht direkt aufs Handy, aber auf die sozialen Plattformen, also auf Instagram und und so weiter, sozialen Medien. warum sprechen wir darüber? Kritik an sozialen Medien oder dem Smartphone allgemein ist ja schon seit längerem, aber das ist mittlerweile auch so in der Öffentlichkeit angekommen. Und vor allen Dingen auch bei den Konsumenten, die ja, diese Plattform benutzen und mehr und mehr irgendwie sich darüber beschwört wird und sich darüber bewusst geworden ist, dass das auch Nachteile haben kann. Und das ist aktuell so weit, dass wir davon jetzt, mehr darüber sprechen und dass auch mehr Gehör bekommt.
Nathalie: Ist es denn so, dass die Menschen wirklich die sozialen Medien vermehrt verlassen? Ist es vielleicht nur ein Trend oder stimmt das vielleicht überhaupt nicht?
Aaron: Das ist natürlich die Hauptfrage und die ist natürlich extrem schwer zu beantworten. um es mal kurz und schmerzlos zu machen, wenn man das global betrachtet, das Problem dann nicht. die Nutzerzahlen steigen nicht mehr so stark an, aber sie steigen weiterhin an. Aber wenn man das mal differenzierter betrachtet und das zum Beispiel lokal einschränkt. Also meinst du jetzt auf Deutschland beschränkt? Genau, zum Beispiel, wenn man sich mal Deutschland anguckt zum Beispiel, da steigen die Nutzerzahlen kaum bis gar nicht mehr. teilweise verlieren soziale Plattformen sogar Nutzerzahlen. Das, liegt aber nicht zwangsläufig daran, dass, die sozialen Plattformen an Beliebtheit verlieren, sondern die Märkte sind einfach gesättigt. Also, wenn man sich mal die Zielgruppe anguckt, 14- bis 29-Jährige sind es 91%, die soziale Netzwerke nutzen und angemeldet sind. Da ist nicht mehr viel zu holen. Das ist fast komplette, also der komplette Markt komplett ausgeschöpft fast. Und, selbst insgesamt über alle Zielgruppen, über alle Alterszielgruppen hinweg, sind es 68%, die soziale Netzwerke haben. Da zählen wir halt auch Kinder und Senioren mit, beziehen wir wieder mit ein. Also, ja, die Nutzerzahlen stagnieren dann dementsprechend, aber das liegt jetzt aber nicht dementsprechend an der großen Abwanderung, von Nutzenden, sondern eher, wie gesagt, an den gesättigten Märkten. Aber was trotzdem zu beobachten ist, ist ein Rückgang der, Wehrbereichbarkeit von Konsumenten.
Aaron: Das sagt erstmal gar nichts aus, aber wir können das interpretieren. Und zwar, dass das vielleicht bedeuten könnte, wenn Leute nicht mehr so gut durch Werbung erreichbar sind, dass sie die sozialen Netzwerke nicht mehr so intensiv nutzen. Das heißt, sie haben zwar noch einen Account, aber benutzen nicht mehr so viel oder haben nicht mehr so viel Screentime, kommentieren nicht mehr so viel, liken nicht mehr so viel, teilen nicht mehr so viel. Dass sie quasi die, wie sie die sozialen Plattformen nutzen, nicht mehr so intensiv ist, wie noch vor ein paar Jahren. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass zum Beispiel, dieser, dieser ganze Hype vielleicht etwas gemindert ist. Und, es ist ja auch so, nur weil du jetzt eine soziale Plattform nicht mehr nutzt oder gerade löscht, deiner Content auch da. Also, die Nutzerzahl, die vermindert sich nicht, auch wenn du jetzt vielleicht selber das nicht mehr benutzt. Das ist natürlich schwer, dann auch so, das so in Zahlen hier zu schreiben. aber es kommt denen noch häufiger vor. Ich sehe es ja auch in meinem Umfeld. Also, da würde ich einfach mal die Frage zurückgeben, wie oft benutzt du denn soziale Medien in deinem Alltag?
Nathalie: Also, laut meiner Bildschirmzeit benutze ich, oder habe ich eine Screentime von vielleicht so zwei bis vier Stunden am Tag. Das variiert. und ich persönlich nutze ja, Instagram per Laptop. Also, ich habe es nicht mehr auf dem, auf dem Handy, sondern bin da praktisch eingeloggt dann auf meinem MacBook und, habe nur noch Pinterest auf meinem Handy. Und, damit komme ich ganz gut klar, weil YouTube, schaue ich auf meinem iPad und habe mich sozusagen dezimiert, ja.
Aaron: Ja, bei mir ist es ähnlich. Ich habe auch die, verschiedenen Plattformen eingeschränkt, benutze jetzt hauptsächlich noch YouTube und auch Pinterest, versuche da auch meine Screentime einzubringen. Die ist meistens bei mir so bei zwei Stunden angepegelt, aber das kann natürlich noch variieren von, dass du das Handy. Wir haben uns auch umgehört, wie Freunde, Bekannte in unserem Umfeld soziale Medien nutzen. Und hier sind Ihre Antworten.
Befragte Person 1: Ich nutze soziale Plattformen eigentlich schon täglich, so gerade durch das Smartphone und so, ist man ja dann immer sehr schnell dabei und öffnet irgendeine App und guckt rein.
Befragte Person 2: Ich nutze eigentlich nur noch YouTube und Pinterest und YouTube nutze ich auch mehrmals täglich und Pinterest so alle zwei bis drei Tage, je nachdem, wonach ich gerade so suche.
Befragte Person 3: Ich benutze fast täglich Social-Media-Plattformen meist, YouTube und Instagram, aber auch, Messenger wie WhatsApp, Telegram oder Signal. Auf YouTube gucke ich dann meistens, recht unterschiedliche Sachen, von informellen Videos hinzu Unterhaltungsvideos. bei Instagram, besteht das meistens aus politischen Neuigkeiten, die, dort auffange oder daraus, dass ich, Freunden lustige Reels schicke.
Aaron: Ja, das waren auf jeden Fall aufschlussreiche Antworten und interessante Antworten. Und da stellt sich direkt die nächste Frage, gibt es denn bereits Menschen, die soziale Plattformen, soziale Medien ablehnen und wenn ja, warum?
Nathalie: Tatsächlich habe ich da ein kleines Beispiel mit rausgesucht. nämlich, der Luddite Club, ich hoffe, das spreche ich jetzt richtig aus, das ist praktisch eine, eine Gruppe aus New York von Jugendlichen, die haben sich praktisch benannt nach den Luddites aus England, die gab's Anfang des 19. Jahrhunderts, die haben sich praktisch aufgelehnt gegen die Industrialisierung, also gegen die Maschine und machen das sozusagen jetzt, in 2025 auch. Sie lehnen sich gegen die Maschine auf und lehnen es ab, Handys zu benutzen, und auf Social Media zu sein. Und, die haben ungefähr schon so zwischen so 20 und 25 Mitglieder, also es ist schon eine relativ große Gruppe. Und die treffen sich, jede Woche auf dem Grand Army Plaza in Brooklyn, New York und machen da alles, außer ihr Handy zu benutzen. Also sie häkeln, spielen Gitarre, lesen, und bei den Treffen geht es vor allem um Gespräche über neue Clubprojekte, gemeinsames handwerkliches Crafting und gemeinsame Aktivitäten. Also alles ohne Ablenkung durch Handy oder Bildschirme. Und die Begründerin, Lola heißt sie nämlich, die beschreibt, dass ganz viele in ihrem Club Smartphone und alles, was damit verbunden ist, komplett eigentlich gehasst haben. also darunter gehört natürlich auch dazu ein permanenter Social Media Konsum, ständiges Scrollen, was auch Doomscrolling genannt wird, und die ganzen Dauervergleiche, die man auf den sozialen Plattformen hat, und die haben sich gedacht, wir wollen nicht mehr länger davon abhängig sein, aber es war sehr, sehr schwer, sich alleine davon zu lösen, weil das ist ja auch so ein Gruppending. Also du machst, du benutzt es ja auch, weil du ja sehen willst, was deine Freunde machen, was vielleicht auch Bekannte machen, was andere tun. Und wenn du jetzt dein Handy nicht mehr benutzt, dann siehst du das ja auch nicht mehr. Und deshalb haben sie praktisch diesen Club gegründet als geschützten Raum und um die Smartphones einfach gemeinsam bewusst wegzulegen. Genau, und im Zusammenhang damit haben wir unsere Bekannten gefragt, unsere Freundinnen, wie hoch ist denn eigentlich eure Handy-Screen-Time?
Befragte Person 1: Bei meiner täglichen Screen-Time kommt so ein bisschen auf den Wochentag an, aber immer so zwischen drei und sechs Stunden und im Schnitt sind es meistens so vier Stunden. (...)
Befragte Person 2: Eigentlich nutze ich die nur wenige Minuten pro Tag, das hat man maximal eine Viertelstunde in der Regel. Vielleicht ist die Ausnahme halt, wenn ich ein YouTube-Video gucke, was ich aber dann wieder so selten doch mache, dass es, im Tagesdurchschnitt über einen längeren Zeitraum gesehen hinkommt, dass ich wirklich nur irgendwie eine Viertelstunde pro Tag damit zu bringen, würde ich sagen. (...)
Befragte Person 3: Meine tägliche Scream-Time für soziale Netze sind pro Woche neun Stunden und so auf die letzten Tage, geschaut ungefähr vier Stunden tatsächlich. Manchmal ein bisschen weniger, aber dadurch, dass Feiertage waren, war das ein bisschen mehr. und sonst so bei bis drei Stunden wahrscheinlich.
Nathalie: Ja, das waren auf jeden Fall, interessante Antworten. Ich weiß nicht, wie hoch ist denn deine Scream-Time von deinem Handy?
Aaron: So ungefähr bei zwei Stunden, mal weniger, mal aber auch mehr. Also das schlägt doch schon mal aus nach, auf drei, vier Stunden, wenn sich, wenn ich, wenn es der Tag hergibt. Ich habe aber auch gemerkt, dass, sobald ich sowas gelöscht habe, wie Instagram und, TikTok, die halt dieses Doom-Scrolling vor allem benutzen, also diesen endlosen Feed, dass sich das schon drastisch minimiert hat. Also, das war schon ein Faktor, den ich dann gemerkt habe.
Nathalie: Ja, bei mir ist es auch ganz ähnlich. Ich glaube, es sind auch nur so zweieinhalb Stunden pro Tag. Es sei denn, ich bin wirklich so jetzt krank und den ganzen Tag zu Hause. das hat man ja auch bei unseren Freunden gemerkt, da variieren auch die Stunden natürlich. Manche gleichen sich an, manche sind dann, sind dann doch ein bisschen höher, je nach Nutzen. Manche nutzen es gar nicht, ein bisschen nur 15 Minuten am Tag. Also da sieht man mal, wie stark das variieren kann von Mensch zu Mensch.
Aaron: Mich würde mal interessieren, ich gehe gleich noch näher darauf ein, aber wir sind mit dem Smartphone zwar beide groß geworden, aber auf eine unterschiedliche Art und Weise. Mich würde mal interessieren bei dir, wie sich so dein Nutzen verhalten hat von als Jugendliche jetzt zu jungen Erwachsenen. Wie sieht so dein Konsum da, ob sich der verändert hat oder was sich da verändert hat?
Nathalie: Naja, ich habe vor allem Social Media sehr stark genutzt in 2016, als ich 16 war. Und was da natürlich ganz klar ist, ist, dass, ganz viel dort auch mit Werbung angefangen hat. Ich glaube, das war vorher nicht so. Und ich habe es vor allem genutzt, einfach um mit meinen Freunden zu interagieren, um Beiträge zu posten. und da war erst mal gar nicht so im Vordergrund, sich selbst krass darzustellen und irgendwas zu verkaufen, sondern einfach witzige Bilder zu machen, das Duckface zu machen, was wahrscheinlich jeder von uns auch gemacht hat. Und das halt eben mit seinen Freunden zu teilen. und natürlich habe ich auch Social Media benutzt oder vor allem Instagram benutzt, weil es meine Klasse dann langsam benutzt hat. Und wenn du was nicht mitgemacht hast, dann warst du automatisch so ein kleiner Außenseiter. Und jetzt mittlerweile bin ich älter. Ich habe viel mehr Selbstbestimmung. Das kommt aber auch mit dem Alter. Und dann merkt man irgendwann, ich brauche keine sozialen Medien, um mit anderen Menschen zu connecten. Denn ich mache das anders. Ich mache das im realen Leben, oder eben dann über WhatsApp. aber ich connecte nicht mehr so sehr über, über die sozialen Medien, obwohl sie ja so sozial sind.
Aaron: Das ist interessant, weil ich war ein Kind, ein Junglöcher, der erst relativ spät, feldermäßig spät, erst ein Smartphone hatte und dementsprechend auch nicht auf den sozialen Plattformen war, aber ich diesen Druck, den du gerade beschrieben hast, gespürt habe. Und, da sind meine Eltern halt, dafür verantwortlich, dass ich dem nicht nachgegeben habe, sondern, dann ich erst als junger Erwachsener, den sozialen Medien beigetreten bin. Aber soziale Medien und soziale Plattformen spielen ja immer noch eine unheimliche Rolle im Alltag der Jugendlichen von heute, auch wenn es vielleicht andere Plattformen per se sind.
Nathalie: Wie wir ja bei dem Club schon gesehen haben, war der, der Grund, dass sie abhängig geworden sind. Wie ist das denn? Gibt es denn jetzt wirklich eine Social Media Abhängigkeit? Was, gibt es da vielleicht auch Studien dazu?
Aaron: Also es gibt auf jeden Fall Studien zur Smartphone-Nutzung von Jugendlichen. Also eine PISA-Studie aus 2022, aus allen OECD-Ländern, hat festgestellt, dass die Hälfte, also 50 Prozent, alle 15-Jährigen, 30 oder mehr Stunden pro Woche auf digitalen Geräten verbringen. Das ist natürlich sehr viel. Es gibt auch noch eine weitere Studie, die da, ähnlich drauf eingeht, die, Jim-Studie aus 2025, die, besagt, dass im Durchschnitt haben, besitzen 98 Prozent der Jugendlichen ein Smartphone und von den 12- bis 19-Jährigen, die verbringen 3 Stunden und 51 Minuten durchschnittlich am Tag. Das sind fast 4 Stunden, das nur am Smartphone, also jetzt ohne andere Endgeräte mit eingerechnet. Und das ist natürlich schon ordentlich. Und so eine Abhängigkeit ist natürlich auch wieder schwer zu definieren, aber man kann grob sagen, wenn halt, wenn das der Durchschnitt ist, wenn das dann schon sehr stark davon abweicht. Also wenn zum Beispiel die Screen-Side deutlich höher ist und wenn sie dich dann irgendwie einschränkt, also wenn du andere Dinge vernachlässigst, wenn dein Glück davon abhängt und, wenn solche, Eigenschaften beobachtet werden, dann geht es dann schon in Richtung Sucht, die natürlich auch ein großes Risiko bergen für diese Jugendlichen oder für Menschen im Allgemeinen.
Nathalie: Ja, das stimmt. zu diesem Thema habe ich auch vier Beispiele mitgebracht, also vier Beispiele, die die Risiken bei einer zu hohen Social-Media-Nutzung aufzeigen. Beispiel eins, wir kennen es alle, in den sozialen Medien wird ja häufig geliked, geteilt und kommentiert, genauso wie wir das auch schon gemacht haben. und diese positiven Reaktionen, die, die wirken natürlich auch auf uns, nämlich auf das Belohnungssystem im Gehirn, denn im Gehirn werden da dann ganz viele Glückshormone ausgeschüttet, Dopamin und man fühlt sich gut. Also wenn man sieht, mein Beitrag wurde geliked, dann fühlt man sofort Glück. problematisch wird es dann jedoch, wenn wir nur noch durch diese Bestätigung, diese soziale Bestätigung, eine gute Stimmung bekommen. denn wir müssen aufpassen, dass wir da nicht unser Selbstwertgefühl dranhängen, also dass du nur noch denkst, hey, mein Bild hat überhaupt gar keine Likes mehr, sehe ich jetzt nicht mehr gut aus, warum hat das jetzt nur 10 Likes, das andere hatte 30 Likes. Wir kommen ins Vergleichen und dann fühlt man sich sofort unsicher und unwohl und da muss man dann überlegen, ist das nicht vielleicht auch schon ein Risiko von einer Social-Media-Sucht, könnte das vielleicht sein? Ein zweites Beispiel wäre zum Beispiel, die ständige Konfrontation mit schlechten Nachrichten. Vorab kann ich schon mal sagen, es ist auf jeden Fall ein Privileg zu sagen, ich mache das Handy aus und ignoriere schlechte Nachrichten, weil man soll trotzdem informiert bleiben. Aber wenn man zu viele schlechte Nachrichten liest und natürlich dann dadurch nicht mehr aufhören kann zu scrollen, um sich zu informieren, dann kann das durchaus die Psyche belasten.
Aaron: Ja, zumal das ja auch teilweise gewollt ist von Plattformbetreibern, weil schlechte Nachrichten, die klicken sich besser, die polarisieren besser und die sorgen auch dafür, dass wir mehr interagieren. Also wir tendieren eher dazu, schlechte Nachrichten zu teilen und irgendwie darauf aufmerksam zu machen, dass, gibt dann mehr Screentime, was für die Betreiber auch mehr Profit bedeutet, weswegen ja solche sozialen Plattformen bestimmt auch darauf ausgerichtet sind, dass ja dann sich ungünstig in die Hände spielt, sage ich mal so.
Nathalie: Auf jeden Fall, denn die Folgen von zu viel schlechten Nachrichten sind auf jeden Fall schlechte Stimmung, habe ich auf jeden Fall auch schon an mir selbst beobachten können, Angstzustände und natürlich irgendwo eine innere Unruhe, weil wenn du jeden Tag über Krieg liest, dann kann dir das natürlich auch schon den Tag versauen. so ein Verhalten wird übrigens auch als Doomscrolling bezeichnet, also dauerhaftes Scrollen, und wir wissen alle, wie lange uns das auf TikTok schon im Griff hatte, mehrere Stunden. Ein drittes Beispiel wäre eine starke Abschottung, jetzt kommen wir ein bisschen in den spekulativen Bereich, weil das ist noch nicht so ganz erforscht, aber trotzdem wichtiges Thema, Depression durch Social Media. wenn man zu oft auf den sozialen Medien ist, kann man natürlich sich auch sozial und kommunikativ isolieren, das heißt, im Bett bleiben, zu scrollen, anstatt rauszugehen, und wenn man die persönlichen Kontakte dann zu Familie und Freunden nicht pflegt, dann kann das natürlich sein, dass man dadurch trauriger wird, dass sich zunehmend spiralisiert und dass man dann irgendwann sich auch einfach deprimiert fühlt, und das natürlich auch eine ziemlich starke Belastung ist. sein kann, wenn man das, wenn man zu stark vom Handy abhängig ist und seine sozialen Kontakte nicht mehr pflegt.
Aaron: Das ist natürlich auch die Frage, wo fängt das an, Leute, die zu Depressionen, depressiven Eigenschaften neigen, tendieren die auch dazu, mehr Social Media zu benutzen oder, werden Menschen mehr depressiv, weil sie halt durch die Eigenschaften von Social Media schlechte Laune bekommen?
Nathalie: Also es ist sozusagen die Henne-Ei-Diskussion. Was kommt zuerst? Kommt zuerst die Depression und dann die Social Media-Sucht oder zuerst die Social Media-Sucht und dann die Depression? da wird auf jeden Fall gerade noch relativ viel geforscht und, wir werden sehen, was sich da, was sich da in den nächsten Jahren dann entwickelt. So, und das letzte Beispiel, ein weiteres Risiko, was viele auch gerne mal vergessen, sind die persönlichen Daten. In den sozialen Netzwerken geben natürlich die Nutzenden oft unbewusst viele persönliche Daten preis, die dann auch, gespeichert werden und für Werbung oder, Profiling, also die Profilbildung genutzt werden. Stichwort Account anlegen. Also wir kennen es alle, wir wollen irgendwie auf eine Webseite oder wir wollen irgendwas nutzen und dann kommt der, kommt der Hinweis, du musst dir einen Account anlegen, wir wollen deine E-Mail-Adresse. Und klar, macht man das dann vielleicht unterbewusst, aber dann plötzlich im E-Mail-Fach bekommt man den Newsletter. Dann musst du den Haken rausmachen. Also du gibst unbewusst deine Daten hin und es wird sofort benutzt, um irgendwo ein Bild von dir zu machen und irgendwas auf dich zuzuspitzen und zu bewerben. Und ein zu sorgloser Umgang mit diesen Informationen kann beispielsweise Risiken wie Identitätsdiebstahl oder auch gezielte Phishing-Angriffe nach sich ziehen. Also passt da auf euch auf.
Aaron: Ja, noch relevanter jetzt in den letzten Jahren nochmal geworden, wo, ja auch jetzt KI ein großes Thema ist, weil es leider auch Systeme gibt, Machine Learning-Systeme, die einfach Daten scrapen, also, einfach Daten sammeln, ohne wirklich Erlaubnis dazu zu haben, dass auch halt, eigene Fotos, Stimmaufnahmen und ähnliches dazu genutzt werden, um Systeme zu trainieren. Und viele Leute davon gar nichts wissen, davon nichts mitbekommen, was natürlich nochmal gefährlicher ist.
Nathalie: Das heißt, mach den Haken raus, richtig?
Aaron: Mach den Haken raus. Und mach den Haken rein bei Datenschutzeinstellungen. Beläst euch auf jeden Fall dazu. Es ist super wichtig. genau.
Nathalie: Ja, ein Social Media Detox ist sozusagen eine Entgiftung von den sozialen Medien. Und ich habe hier auch ein paar kleine Lösungen parat. Falls ihr auch über einen Social Media Detox nachdenkt, dann habe ich hier ein paar Tipps und Tricks für euch. und zwar, der erste Tipp ist, pflegt echte Kontakte. Also, setzt bewusst auf reale Begegnungen und Gespräche außerhalb der digitalen Welt. Trefft euch mit Freunden. Also, macht ein Parkdate aus. Geht piknicken. und falls jetzt Leute dabei sind, die vielleicht sehr viele Discord-Freunde haben, das ist natürlich auch alles vollkommen okay. Falls man sozial einfach nicht so Bock hat auf Menschen, ist natürlich online ein super Ausgleich. Aber es ist auch wichtig, einfach manchmal Face-to-Face miteinander zu reden.
Aaron: Voll, definitiv. Kann ich nur zustimmen.
Nathalie: Ja, dann, nächstes Beispiel, nächster Tipp wäre auf jeden Fall, die Nutzungszeiten begrenzen. Wir haben ja vor uns schon über Screen-Time geredet. hier ist jetzt auf jeden Fall ein Tipp dagegen. Setzt euch einfach feste Zeiten oder nutzt die Apps, die beispielsweise auch Bildschirmzeit tracken. Ich glaube, bei Apple hat man das schon eingebaut. Da gibt es schon die Bildschirmzeit-App oder, die Einstellung, wo man seine Bildschirmzeit tracken kann. Guckt euch an, wo ihr am meisten Zeit verbringt, weil wenn man das nicht weiß, dann hat man natürlich auch keine Kontrolle darüber. Und erinnert euch, auf jeden Fall auch Pausen zu machen. Also, acht Stunden täglich am Handy ist schon nicht gesund. Dann auf jeden Fall, noch ein Tipp ist, und der, den finde ich auch sehr wichtig, bewusst konsumieren. Das habe ich erst sehr spät gemerkt, aber habe es dann doch letzten Endes umgesetzt. Nämlich nur Accounts zu folgen, die einen wirklich inspirieren und informieren. Und den Profilen entfolgen, die einen negativ beeinflussen. Das ist was, das habe ich relativ spät erst gecheckt. ich habe, als ich 16 war, natürlich hat man dann, so Idole wie Blake Lively oder Kylie Jenner. Gut, Kylie Jenner war jetzt kein Idol von mir, aber ich bin ihr trotzdem gefolgt. Fragwürdig, aber ich bin ihr auf Instagram gefolgt, weil ich wissen wollte, was machen die Kardashians. Und dann hast du auf deiner For You-Page irgendwann dann nur noch Kardashian-News. Und du fragst dich dann nach Jahren, weil du den Accounts nicht entfolgt bist, warum folge ich denen eigentlich? Was, was will ich mit dieser Information? Und ich habe dann einfach mal so eine Aufräumaktion gemacht und bin wirklich großflächig Profilen entfolgt, die mir nichts bringen, die ich A, nicht kenne, B, mich nicht interessieren und C, vielleicht mich sogar aggressiv machen. Oder wo dann einfach der Neid hochkommt, weil wenn du jeden Tag schöne Models siehst, dann vergleichst du dich natürlich. Ist das was, was dir auch schon aufgefallen ist, was du auch gemacht hast?
Aaron: Das Vergleichen glaube ich gar nicht so sehr, aber einfach, ich glaube, wenn man das auch über Jahre benutzt, dann sammelt sich über die Zeit einfach ein Hauf an Leuten an, die du abonniert hast, die du folgst. Und wo man sich dann mal so fragt, okay, passt das noch zu meinem aktuellen Lebensstil? So brauche ich das überhaupt noch? Und manchmal erfolgt man ja auch so großen Persönlichkeiten, wo man sagt, ich habe dazu gar keinen Bezug. So, warum soll ich jetzt mal in deinem Fall der Kylie Jenner folgen, wenn am größten Teil halt Werbung kommt oder Ding beworben wird. So dieses Influencer-Dasein ist ja auch eine Sache, die so Ende der 2010er Jahre, in den 2020ern, da extrem zugenommen hat und dir auch das Online-Bild extrem verändert hat, was früher vielleicht nicht ganz so da war. Und das ist einfach eine Sache, wo man sich dann selbst fragen muss, braucht es das? Brauche ich das? Brauche ich das in meinem persönlichen Feed täglich?
Nathalie: Genau, hinterfragen ist da auf jeden Fall sehr wichtig. Genau, jetzt haben ich und Aaron noch ein paar persönliche Tipps für den Social-Media-Detox, weil den haben wir ja beide auch irgendwie schon auch durchgezogen, so in der Art, so in einer leichten Art und Weise. Nämlich, die persönlichen Tipps von mir, sind auf jeden Fall, Apps wie Instagram nur noch auf dem Laptop haben. Also alles runter vom Handy. Ihr müsst eure Accounts nicht löschen, aber haut zumindest die Apps runter, weil schnell mal am Handy durch Instagram zu scrollen, ist, ein unglaublicher Zeitfresser. dann mein zweiter Tipp wäre auf jeden Fall, natürlich auch durchzuziehen und Accounts zu löschen. Ich habe jetzt letztens meinen TikTok-Account gelöscht und habe auch die App nicht mehr, weil ich es einfach nicht mehr brauche und keine Notwendigkeit darin sehe, das weiter zu behalten. und mein letzter Tipp persönlich, schafft euch bewusst medienfreie Räume durch Hobbys, beispielsweise, häkeln, stricken, nähen, lesen. Oder wie bei uns jetzt zum Beispiel, D&D ist ein super tolles Hobby, um mit Freunden an einem Tisch zu sitzen und ein bisschen was auszuwürfeln und Spiele zu spielen. Das ist, da benutzt, glaube ich, niemand sein Handy.
Aaron: Kann ich auch auf jeden Fall nur empfehlen. Kann ich beipflichten. Von mir nur so, was mir geholfen hat, war den Algorithmus so gut wie es geht einzuschränken. Also, es gibt bei vielen Plattformen so die Einstellungen, dass Suchverläufe nicht gespeichert werden, nicht mit integriert werden, weil es ja auch gefährlich ist, wenn der Algorithmus dir immer weitere tolle Videos, Inhalte vorschlägt, dass du natürlich auch länger drauf bleibst. bei YouTube habe ich so gemacht, ich bin gar nicht mehr angemeldet. Und was dazu führt, dass hier YouTube gar nichts mehr vorschlägt. Also, du hast dann eine schwarze, eine schwarze Fläche nur mit der Suchleiste und das, sorgt aber dafür, dass ich bewusst mich entscheiden möchte, was möchte ich jetzt konsumieren, was möchte ich jetzt gucken. Und das bewirkt jetzt keine Wunder, löst nicht alle Probleme, aber hilft mir auf jeden Fall nicht, wirklich das zu gucken, was ich gucken möchte und dann nicht noch eine Stunde länger zu verbleiben bei irgendwelchen random Videos, auf die ich sonst nicht gekommen wäre.
Nathalie: Auf jeden Fall, da bin ich ganz bei dir, wir haben natürlich auch unsere FreundInnen gefragt, ob die sich schon mal überlegt haben, einen Social Media Detox zu machen.
Befragte Person 1: Ich habe ehrlich gesagt nie darüber nachgedacht, sowas zu machen, aber auch aus dem einfachen Grund, ich habe ja eigentlich nur Facebook und YouTube, bei YouTube habe ich aber nicht mein Konto, genau. Genau, und Facebook habe ich halt irgendwann 2010 installiert und danach habe ich halt bei den ganzen Sachen gesagt, brauche ich nicht. Also, weder Instagram noch TikTok noch sonst was, habe ich halt nie installiert und mich nie angemeldet und auch nie irgendwie überhaupt mal reingeguckt in dem Sinne. Und habe auch keinen Bock drauf und dadurch habe ich ja ein relativ geringes, also ich würde jetzt zumindest behaupten, relativ geringen Konsum von diesen Plattformen und sehe das da irgendwie als nicht nötig ein, dass ich da mal einen Detox machen muss.
Befragte Person 2: Ja, bei Instagram habe ich schon bestimmt fünf, sechs, sieben Mal die App auch gelöscht gehabt. ich hatte dann nur gemerkt, dass ich, dann irgendwie eine Art Suchtverlagerung hatte und mir mein Dopamin woanders hergeholt habe und das war dann zum Beispiel sowas wie YouTube Shorts, dass ich da einfach durchgescrollt bin oder mehr Schach gespielt habe. Also, oftmals ist es dann nicht in die, in die Richtung gegangen, wie ich es wollte, dass ich mehr lese oder irgendwas neu lerne, sondern leider war es dann auch irgendwas innerhalb des Handys.
Befragte Person 3: Über bewusste Pausen habe ich tatsächlich schon mal nachgedacht. Die installiere auch regelmäßig TikTok und Instagram, aber das kommt dann, nach paar Tagen, meistens eine Woche, meistens wieder, weil ich irgendwas suchen will. aber auch so Screen-Beschränkungs-Apps und so sowas habe ich schon genutzt, weil Social Media ja bekanntlich nicht gut ist und halt auch, also einem halt auch oft bewusst wird, dass das so ein sinnloser Zeitfresser ist. (......)
Aaron: Ja, das waren auf jeden Fall verschiedene Antworten, aber doch war sich, war man sich insgesamt einig, dass so ein Detox an sich nichts Schlechtes ist, was auch ein großflächigeres Meinungsbild reflektiert, weil vor allem junge Menschen sich klarer werden, bewusster werden, wie sie soziale Medien nutzen. Und dass auch viele sagen, okay, ich muss es nicht weiter steigern, es reicht so, wie es ist. Und viele sagen, ich möchte es sogar reduzieren. Und dass so eine reflektierte Haltung, so eine Selbstreflektion da ist, ist ja schon mal ein gutes Zeichen. Ja, und wir sind damit auch schon fast am Ende unserer ersten Folge angelangt und um das Thema nochmal zusammenzufassen. Die Frage, ob es ein Social Media Exodus gibt, haben wir ja schon sehr früh beantwortet. Laut Daten, laut Zahlen, nein, so nicht per se. Aber es lässt sich natürlich auch sehr schlecht, nachweisen, weil, ich meine, hast du schon mal einen Account gelöscht? Weil das ist, du drückst auf deinen Account und dann wirst du dreimal gefragt, dann läuft noch ein Timer ab, ob du es wirklich machen möchtest. Und wenn du einfach deine App löscht, der Account existiert noch für zwei, drei Jahre, bevor er automatisch gelöscht wird, ne? Also nur weil man Apps löscht oder das nicht benutzt, heißt das nicht automatisch, dass das sich in Zahlen widerspiegelt. Trotzdem gibt es halt diese eben angesprochene Selbstreflexion, die ist vorhanden und die wird auch stärker und auch großflächiger einfach. Und das ist schon mal so der erste Schritt. Und so eine Abkehr von sozialen Plattformen, die wird auch eher still sein, wenn sie weitergeht. Weil die wenigsten gehen dann wieder zurück und sagen, hey, ich lasse es, ne? Klar, wir machen das gerade in irgendeiner Form, Art und Weise, aber der Großteil wird das nicht tun. Und das heißt, diese, diese, diese Abwende, dieser Exodus, der wird einfach still geschehen, aber er wird da sein. Und ich bin der Meinung, dass es auch, es gibt so eine kleine Kehrtwende, die jetzt keine Lawine auslösen wird, aber so langsam immer mehr, trotzdem bei den Leuten ankommt und auch durchgeführt wird.
Nathalie: Auf jeden Fall. Vielleicht schaffen wir es ja alle, 2026 einen Social-Media-Exodus durchzuziehen oder vielleicht sogar auch nur einen Mini-Exodus. Also zum Beispiel ein No-Phone-Summer, also ein Sommer ohne Telefon, vielleicht auch nur eine Woche Detox oder vielleicht einfach damit anfangen, Instagram zu löschen oder auch TikTok. Denn sind wir mal ehrlich, die Plattformen sind einfach nicht mehr das, was sie mal waren. wir wirst nur noch mit KI und Werbung zugeballert. Und, mir persönlich, war an Social Media immer das Soziale irgendwie wichtig. Das ist ein bisschen verloren gegangen. und ich hoffe, dass vielleicht in diesem Jahr mehr Leute sich vielleicht dazu auch, ermutigen, von den sozialen Plattformen auch eine Kehrtwende zu machen. Wir sind am Ende unserer ersten Folge von World Wide Check angekommen. Danke, dass ihr mit uns den Social-Media-Exodus erkundet habt. Vielleicht probiert ihr ja auch mal eine Detox aus. Ihr könnt es uns ja gerne feedbacken. wir freuen uns auf sämtliche Rückmeldungen und Feedback. Und wir wünschen euch noch einen tollen Tag. Bis zum nächsten Mal.